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Entwicklung und Ausbreitung
Kurzüberblick

ca. 2000 v.Chr. Man nimmt an, dass die Arier (Indogermanen) aus dem Raum Iran/Afghanistan in die Gangesebene einwanderten und die ansässige, wahrscheinlich zerfallende Induskultur in den Süden verdrängten. Die Ureinwohner wurden zur dienenden Kaste oder zu Kastenlosen.

ca. 1200 v.Chr. - 0 Yoga in den Veden (Veda = Wissen)
Fast alle geistigen Traditionen Indiens, zu denen Yoga zählt, wurzeln in den Veden. Die vedischen Textsammlungen, die ältesten heiligen Schriften Indiens, belegen den Zusammenhang zwischen Yoga und den magischen Opfer-
handlungen. Durch Konzentration kommt es zu ekstatischen Zuständen, in denen auf die angerufenen Götter eingewirkt wird, um sich einen Platz im Himmel nach dem Tod zu sichern.

ca. 800 v.Chr. - 0 Upanisad (nahe beim Lehrer sitzen)
Frage-Antwort-Gespräche über Ursprung, Erfahrung und Ziel des Menschen finden wir in den Upanishaden. Vielen von uns ist das Bild der Schüler bekannt, die um den Meister sitzen und unterwiesen werden. Gott kann nun im eigenen Inneren gefunden werden, im Hier und Jetzt. Die Upanishaden beschreiben Uebungsschritte der Atemkontrolle, Zügelung der Gedanken und Sinne sowie Meditation.

ca. 300 v.Chr. - 300 n.Chr. Bhagavad Gita
Einer der berühmtesten Texte über den Weg des Yoga ist die Bhagavad Gita. Sie ist Teil eines der grossen indischen Nationalepen, des Mahabharata. Angesichts eines unmittelbar bevorstehenden Krieges erläutert Krishna im Gespräch mit Arjuna verschiedene Yoga-Wege. Ein wesentlicher Gedanke meint, wir sollen die Umstände annehmen, unter denen wir geboren wurden, um dann daraus das Beste zu machen. Durch das Vereinen verschiedener Strömungen gilt die Bhagavad Gita als die zentrale Schrift im Hinduismus.

um Christi Geburt Yoga Sutra (Sutra = Leitfaden)
Eine bedeutende Schrift sind die Yoga Sutra des Weisen Sri Patanjali. Damit begründet er die systematische Wissenschaft des Yoga, die immer noch aktuell ist. Herzstück ist der Achtfache Pfad als Gebrauchsanleitung für das Leben. Patanjali diagnostiziert die behindernden Steine auf dem Weg zur Selbsterkenntnis und wie wir sie entfernen. Der Uebungs-
weg, der von aussen nach innen führt, verfeinert sich zunehmend, bis wir uns selbst finden.

ab 6. Jh. Tantrismus
Eine grosse kulturelle und religiöse Revolution erschüttert Indien. Was bisher als Maya (Täuschung) galt, wird im Tantrismus als real angesehen. Alles wird als Ausdruck des Göttlichen verehrt. Der Körper, bislang Hindernis, steht nun im Mittelpunkt. Die Tantriker fordern den Zugang zur Praxis für alle Menschen. Auch Frauen ist das Ueben jetzt erlaubt. Das gesamte religiöse Wissen, das bisher in der geheiligten Sprache Sanskrit bewahrt wurde, wird nun in viele Sprachen Indiens übersetzt. Bislang waren Körperstellungen ausser Sitzhaltungen und einigen Atem-
übungen unbekannt.
Der Tantrismus ist stark von der Verehrung des Gottes Shiva geprägt. Yoga erlebt insbesondere durch Hatha Yoga, ein Element des Tantrismus, eine Hochblüte bis ins 15. Jh.

ab 15. Jh. Mit der erneuten Durchsetzung der ursprünglichen strengen religiösen Strömungen verliert Hatha Yoga an Popularität. Aufgrund der teilweise absonderlich anmutenden Techniken wie Körperhaltungen oder Reinigungs-praktiken kommt Hatha Yoga gar in Verruf. Nur noch wenige Traditionslinien existieren weiter und bewahren das alte Wissen bis heute.

ab 17. Jh. Die nach Indien strömenden europäischen Missionare und Kaufleute erleben Yoga in erster Linie als Weg der Fakire und Asketen und prägen so das frühe Yogabild im Westen.

1893 Yoga fasst im Westen Fuss mit der einschneidenden Rede von Swami Vivekananda auf dem “Weltparlament der Religionen“ in Chicago. Daraus resultiert seine legendäre Tournee durch die USA und eine Oeffnung der Menschen für Yoga.

ab 1920 Yoga wird in Europa bekannt durch Lehrer wie Yogananda (1893-1952), Sivananda (1887-1963), Aurobindo (1872-1950), Vivekananda (1863-1902) oder Satyananda (1923). Die Nervenärzte C.G. Jung und J.H. Schultz (Begründer des “Autogenen Trainings“) beschäftigen sich intensiv mit Yoga.
In Europa werden die ersten Yogaschulen eröffnet: 1921 in Berlin durch Boris Sacharow, Ende der 30er Jahre in Budapest und 1948 in der Schweiz durch Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich.

20. Jh. Nach der langen Kolonialzeit Indiens durch den Islam und die Engländer erfährt Yoga eine ungeahnte Wiederbelebung durch die Rückbesinnung der Inder auf ihre eigene Kultur. Nicht zuletzt durch das grosse Interesse europäischer Indologen und Religionswissenschaftler werden wichtige Grundlagentexte des Yoga aus dem jahrhundertelangen Dämmerschlaf geholt und teils mit wissenschaftlichen Forschungen der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht.
Die alten Techniken werden den Bedürfnissen des modernen Menschen angepasst.

ab ca. 1960 Yoga wandelt sich vom spirituellen zum gesundheits- und fitnessorientierten Uebungsweg.

ab ca. 1996 Im Yoga setzt sich wieder mehr der Aspekt der Selbstfindung und der Spiritualität durch, während die Körperübungen für therapeutische Ansprüche weiter verfeinert werden. Seine Grundgedanken finden sich in anderen Körpertechniken wie Stretching, Feldenkrais, Alexander-Technik oder Callanetics wieder.

heute Der kurze Ueberblick zeigt, dass sich Yoga in den vier Jahrtausenden seines Bestehens vielfältigen Wandlungen unterzogen hat. Seine Essenz aber bleibt erhalten.

 

Die schönste Antwort auf
die Schöpfung ist inneres Wachstum.